„Auf meinen Körper konnte ich mich stets verlassen“

Badminton-Nationalspielerin Isabel Lohau (34) vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim im OSP-Interview

 Seit mehr als zehn Jahren ist Badminton-Ass Isabel Lohau vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Im Jahr 2021 wurde die 34-Jährige zusammen mit Mark Lamsfuß Europameisterin im gemischten Doppel und holte in dieser Konstellation 2022 auch noch WM-Bronze – die erste deutsche WM-Medaille im Mixed. Dazu nahm sie an den Olympischen Spielen in Tokio teil und verpasste die Quali für Paris 2024 aufgrund langwieriger Verletzungsprobleme ihres Partners. Im März 2025 kam Söhnchen Felix zur Welt, doch die Saarbrückerin wollte ihre Profi-Karriere noch nicht beenden. Schon im Herbst 2025 ging sie für ihren Klub wieder in der Bundesliga ans Netz. Als eine von weltweit nur ganz wenigen Spielerinnen gelang der gebürtigen Mittelfränkin Anfang 2026 dann als Mutter das Comeback auf der Worldtour. Bei der EM im April in Huelva trat Lohau an der Seite ihrer niederländischen Partnerin Debora Jille im Damendoppel mit einer Wildcard an. Im Interview spricht die 1,66 Meter große Ausnahmeathletin über den Sport nach der Schwangerschaft, ihre Ambitionen sowie ihre Pläne nach der Karriere.

 

Isabel, wie hast du es geschafft, so schnell nach der Geburt Deines Sohnes wieder am Bundesligaspielbetrieb teilzunehmen – und dann sogar innerhalb eines Jahres nach der Geburt wieder auf der Worldtour zu spielen?

Ich hatte vor der Geburt keine Erwartungen oder fixen Plänen, wie schnell es nach der Geburt wieder aufs Feld gehen soll. Mental hatte ich glaube ich also die richtige und nötige Geduld. Auf meinen Körper konnte ich mich stets verlassen, so auch im letzten Jahr. Ein gutes Körpergefühl mit professioneller Betreuung beim Wiederaufbau hat dieses schnelle Comeback möglich gemacht.

 

Wie ist es so, jetzt als Familie zu den Turnieren zu fahren bzw. wie habt ihr deine Turnierteilnahmen als Familie eigentlich organisiert?

Bisher hat das super geklappt. Noch war die Anzahl der internationalen Turniere überschaubar, ein paar habe ich alleine bereist, andere aber auch als Familie. Mein Mann war dann jeweils mit dabei und so ließ sich das gut verbinden. Wir schauen von Zeit zu Zeit wie groß a) die Reiselust bei unserem Sohn und b) natürlich auch die berufliche Flexibilität meines Mannes ist. Gerne möchten wir aber weiterhin ab und zu als Familie zu Turnieren.

 

Du hast mehrfach in Interviews erwähnt, dass du gerne beweisen wolltest/willst, dass man auch als Mutter international erfolgreich Badminton spielen kann. Bist du mit dem bisher Erreichten denn zufrieden bzw. ist dieser Beweis aus deiner Sicht schon erbracht?

Ich bin mit allen Teilen meines Comebacks, die ich beeinflussen kann, sehr zufrieden. Dass ich so schnell wieder auf dem Feld sein konnte und auch recht schnell wieder leistungsfähig war, macht mich unglaublich stolz. Auch der Deutsche Meistertitel im Damendoppel und der Mannschaftstitel mit dem BCB zeigen, dass ich wieder voll wettkampffähig bin. Ich freue mich darauf, bald dann in einer festen Paarung auch international voll angreifen zu können. Bisher war da im Bezug auf die Partnerinnen viel Spontanität und Flexibilität gefragt.

 

Warst du vor der Geburt eine stärkere Spielerin oder bist du aktuell besser?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke, ich bin in großen Teilen gelassener auf dem Feld, als ich es vielleicht vor der Geburt war. Wie sehr mir das dabei helfen kann, nochmal richtig große Erfolge feiern zu können, wird sich noch zeigen. Ich fühle mich auf jeden Fall wieder richtig spritzig und fit und merke selbst keinen großen Unterschied zu davor.

 

Wie wichtig ist der Faktor Erfahrung für dich – und wo siehst du sonst noch so deine größten Stärken auf Badmintonfeld?

Erfahrung habe ich – und freue mich natürlich auch darüber. Wie wichtig das ist, ist schwer zu benennen. Ich denke, es hilft einem in schwierigen Situationen, öfter die richtigen Entscheidungen zu treffen. Heißt aber auch nicht, dass das immer klappt. Aber ja, ich habe schon viel erlebt im Badminton und durfte viele wichtige bzw. auch große Spiele machen. Ansonsten habe ich einen ganzen guten Blick für das Spiel und eine gute Intuition auf dem Feld.

 

Was waren für dich persönlich bislang die drei größten Triumphe in deiner langen Karriere – und inwiefern hältst du es für möglich, dass du noch einmal einen ähnlich tollen Erfolg feiern kannst?

Als meine drei größten Erfolge würde ich als erstes die Olympia-Teilnahme 2021 nennen. Darüber hinaus war das Jahr 2022 sehr erfolgreich: EM-Gold und WM-Bronze. All diese Erfolge konnte ich im Mixed erreichen. Aktuell ist meine internationale Karriere nun aufs Damendoppel ausgelegt. Da ist es gerade weltweit gesehen etwas schwieriger, ganz vorne mitzumischen. Dennoch traue ich uns (Stine und mir) eine Medaille auf europäischer Ebene zu – das ist auch das Ziel. Dafür müssen wir natürlich beide gesund werden/bleiben und ich hoffe sehr, dass wir demnächst durchstarten können.

 

Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus – und auf welche Herausforderung freust du dich am meisten?

Die Bundesliga-Saison ist vorbei, sodass im Sommer Zeit für internationale Turniere ist. Meine Partnerin ist in den Endzügen ihrer Reha und wir peilen an, im Juni unsere ersten gemeinsamen internationalen Turniere bestreiten zu können. Danach steht nochmal ein gemeinsamer Trainingsblock an und ab September wirds wieder richtig voll: Bundesliga und auch international! Dann greifen wir auch voll die Quali für die European Games an.

 

Wie lange willst du noch auf Topniveau spielen – und inwiefern könntest du dir danach vorstellen, als Trainerin zu arbeiten bzw. in welcher Form wirst du dich dann weiter in deiner Lieblingssportart einbringen?

Ich habe mir aktuell kein klares Enddatum gesetzt. Ich habe noch Ziele, die mich motivieren. Solange das gegeben ist und die Familie und mein Körper mitmachen, geht es weiter. Für danach habe ich noch keine konkreten Pläne. Ich werde sicher in irgendeiner Form dem Sport erhalten bleiben. Wie genau, wird die Zukunft zeigen. Trainerin liegt mir nicht so ganz im Blut.

 

Ihr möchtet mehr über Isabel Lohau und ihre Karriere erfahren? Dann hört doch in die 2. Folge unseres neuen Podcast rein. Dort war Isabel zu Gast und gibt weitere spannende Einblicke. Die Folge kommt am Donnerstag den 14.05 um 18:00 online.

Hier findet ihr alle Infos sowie Links zu unserem Podcast. Vorbeischauen und rein hören lohnt sich! PODCAST – Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz – Saarland