„Olympia ist ein großer Traum von mir“
Radsportlerin Katharina Palm (30) von Vorwärts Orient Mainz im OSP-Interview
Katharina Palm ist vor allem als erfolgreiche Amateurin im Profi-Rennradsport sowie als Gesamtsiegerin der Rad-Bundesliga (2022, 2024) bekannt. Die 30 Jahre alte Mainzerin, Mitglied bei Vorwärts Orient Mainz und für das Continental-Team Rembe I Rad-net women startend, wird aber auch und gerade für ihre beeindruckende Doppelleistung geschätzt. Sie verbindet eine anspruchsvolle Profi-Radsportkarriere erfolgreich mit dem Fulltimejob als Gymnasiallehrerin für Biologie und Erdkunde am Mainzer Gymnasium Theresianum. Im Interview spricht die gebürtige Adenauerin über ihren späten Aufstieg in die Weltspitze, ihre Motivation und ihre Ziele.
Katharina, wie hast Du es geschafft, Dich so schnell in die Weltspitze zu katapultieren?
Die Freude am Radfahren hat mich meinen gesamten Karriereweg lang begleitet und ist mit Sicherheit ein Schlüssel zum Erfolg. Ich kam mit 23 Jahren erst sehr spät zum Radsport, fing jedoch sogleich Feuer und trainierte mit viel Spaß und Zielstrebigkeit. Ich denke, dass ich durch die Freude, die ich am Radfahren habe, eine hohe intrinsische Motivation hatte, besser zu werden und viel zu trainieren. Ich empfand das Training auf dem Rad von Anfang an viel mehr als Hobby als als Pflicht.
Was waren denn bislang Deine größten Erfolge?
Im Jahr 2023 wurde ich deutsche Vizemeisterin bei der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren. Dieser Titel bedeutet mir bis heute sehr viel, da er relativ überraschend kam und mir viele Türen geöffnet hat. Beispielsweise durfte ich infolgedessen an der Europameisterschaft teilnehmen, wo ich einen 11. Platz im Zeitfahren einfahren konnte und sehr viele tolle Erfahrungen machen durfte. Ein Sieg bei der deutschen Bahnmeisterschaft in der Einerverfolgung im Jahr 2024 war ebenfalls ein besonderes Erlebnis, da der Bahnradsport noch ganz neu für mich war.
Inwiefern hast Du das Maximale herausgeholt?
Ich habe stets versucht, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um neben meinem Beruf als Lehrerin das Beste aus mir herauszuholen, was den Radsport betrifft. Mit der Unterstützung durch die Sporthilfe Rheinland-Pfalz und die deutsche Sporthilfe ist mir dies sehr gut gelungen.
Wie läuft es für Dich in dieser Saison und was hast Du bis Ende des Jahres noch alles vor?
Bislang lief es vor allen Dingen in der Bundesliga sehr gut. Wir konnten mit dem Team bislang jedes Rennen für uns entscheiden und zwei Siege gingen auf mein Konto. Die Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften, einer meiner Saisonhöhepunkte, wurde leider durch einen heftigen Sturz unterbrochen. Nichtsdestotrotz versuche ich natürlich, ein möglichst gutes Ergebnis einzufahren, um mich ggf. für die Teilnahme an der EM oder der WM zu qualifizieren. Eine Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft ist auf jeden Fall ein Ziel, auf das ich die gesamte Saison hinarbeite.
Was willst Du generell noch alles erreichen in Deinem Sport?
Natürlich träumt jeder Sportler von einer Olympiateilnahme, so auch ich. Allerdings ist der Weg dorthin kein leichter – erst recht nicht als Spätberufene, wie ich eine bin. Außerdem wünsche ich mir, für die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft nominiert zu werden. Abseits der Wettkämpfe und des Leistungssports hoffe ich sehr, viele Kinder und Jugendliche, Schülerinnen und Schüler für den Radsport begeistern zu können.
Wie schätzt Du Deine Chancen ein, irgendwann noch einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein – und was würde Dir das bedeuten?
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist ein großer Traum von mir. Radsport auf höchstem Niveau betreiben, gegen Sportlerinnen aller Nationen antreten, gemeinsam den olympischen Spirit erleben. Um bei den Olympischen Spielen dabei sein zu können, muss ich noch viele Kilometer auf der Radrennbahn sammeln, um an meiner Technik zu feilen. Ich hoffe sehr, dass mir dies gelingt.
Das Leben einer Spitzensportlerin ist immer entbehrungsreich und mitunter beinhart. Was treibt Dich trotz allem immer wieder an?
Gemeinsam mit Teamkolleginnen Siege einzufahren und diese zu feiern bereitet mir große Freude. Um erfolgreich zu sein und einen guten Beitrag zum Teamerfolg leisten zu können, muss man natürlich das Beste aus sich herausholen und hart trainieren. Das nimmt man dann gern in Kauf. Außerdem gefällt mir das Radfahren und der Fortschritt, den man bei gutem Training beobachten kann, sehr, sodass ich in der Regel auch in schwierigen Momenten nicht das Ziel aus den Augen verliere.
Was sind Deine hervorstechendsten Eigenschaften – als Sportlerin und als Mensch?
(lächelt) Ich glaube, dass mich ein gesunder Optimismus sehr gut durch den Sport und durch den Alltag trägt.
Was man so hört, kommst Du aus einer ziemlich sportlichen Familie. Ist das wahr und falls ja, inwiefern hilft Dir das ein Stück weit bei Deiner eigenen Karriere?
Kommt drauf an, wie man „sportlich“ definiert. Meine Eltern haben einen sehr aktiven Lebensstil, der jedoch vor allen Dingen durch körperliche Arbeit auf dem Feld und auf dem Hof (sie haben Landwirtschaft im Nebenerwerb) geprägt ist. Wir Kinder wurden natürlich schon früh eingespannt und hatten stets Freude daran, uns draußen zu bewegen. Außerdem entwickelt man in einem solchen Kontext ein gesundes Verhältnis zu Anstrengung und Durchhaltevermögen, was mir und meinen Geschwistern mit Sicherheit zugutekommt, was den Sport betrifft.
Dieser Sommer war ziemlich heiß. Was sind Deine Tipps für Ausdauersportler*innen bei solch extremen Temperaturen?
Ich denke, dass es immer wichtig ist, in den Körper hineinzuhören und nichts zu erzwingen. Wenn die Hitze keine hohen Belastungen zulässt, sollte man die Intensitäten anpassen und sich langsam an höhere Belastungen herantasten. Wenn möglich, kann man auch am Morgen trainieren, da ist die Hitze in der Regel noch nicht ganz so drückend. Außerdem ist eine gute Verpflegung mit ausreichend Iso und ggf. zusätzlichen Elektrolyten enorm wichtig.
