Der Saarländische Landesstützpunkt in der Sportart Taekwondo möchte Bundesstützpunkt werden 

Von Melanie Kahl-Schmidt 

Dynamik, Schnelligkeit und Kraft – diese Eigenschaften machen den Taekwondo-Sport für die Athlet*innen zu einer Probe für Körper und Geist und für die Zuschauer zu reiner Faszination. 

Für den Landesstützpunkt im Saarland stehen Dynamik und Schnelligkeit aber auch für strukturell und inhaltlich geleistete Arbeit. In etwas mehr als vier Jahren ist es Disziplin-Bundestrainer und Stützpunktleiter Axel Müller (49) gelungen, quasi aus dem Nichts einen Ort für hochtalentierte und förderungswürdige Taekwondo-Sportler*innen aufzubauen. 

Waren in der Saison 2016/17 gerade einmal zwei Bundeskader-Athlet*innen im Team (*), steigerte sich die Zahl in der Saison 2020/21 bereits auf insgesamt neun im Bundeskader weitere Landeskader. Eine Kaderentwicklung, die sich in puncto Schnelligkeit und Qualität sehen lassen kann. „Die Ersten beiden Athlet*innen habe ich im Jahr 2016 damals von meinem Heimatverein in Hachenburg bzw. dem Trainingszentrum in Nistertal (Westerwald) mit an den Stützpunkt gebracht“, erinnert sich der auch als Landestrainer der Taekwondo Union Saar tätige Stützpunktleiter Axel Müller an die damaligen Anfänge. 

In den Jahren zwischen 2017 und 2020 gewannen die Athlet*innen des Saarländischen Verbandes bei Europameisterschaften drei Mal Silber und zwei Mal Bronze. Bei Deutschen Meisterschaften wurden gar 30 Medaillen eingesammelt: 7 Titelgewinne, 10 Silbermedaillen und 13 Bronzemedaillen. Namhafte Vertreter*innen, die am Stützpunkt gefördert werden, sind Sina Metschberger (Jahrgang 2002), Simon Laubhold (Jahrgang 2004) und Vadim Dulescu (Jahrgang 2005). „Für diese Erfolge sind die vier Jahre, die ich hier für den Verband im Saarland tätig bin, eine sehr kurze Zeit. Wir konnten sehr viel Infrastruktur schaffen. Dennoch gibt es noch einiges zu tun. „Derzeit steht gerade ein eigener stützpunkttragender Verein in Saarbrücken kurz vor der Gründung“, erklärt Müller. 

Aktuell gibt es zwei stützpunkttragende Vereine, die aber beide nicht direkt in der Landeshauptstadt Saarbrücken angesiedelt sind. Der Landesverband verfügt derzeit noch über keine zentrale Trainingsstätte mit adäquater Ausstattung. Ein Umstand, der ungünstig für die Athlet*innen ist, da die Wege unnötig länger werden als nötig. Und dem zeitnah Abhilfe geschaffen werden soll. „Wir denken, dass wir in Kürze einen stützpunkttragenden Verein vor Ort in Saarbrücken haben werden. Erste Einrichtungen und mögliche Trainingsstätten wurden besichtigt, an denen der neue Verein seinen Trainingsbetrieb aufnehmen soll. Unsere Sportler benötigen eine zentrale Trainingsstätte um nicht wie aktuell, an unterschiedlichen Standorten trainieren zu müssen. “ 

Ein großer Vorteil des Standortes ist die Anbindung des Stützpunktes an die Eliteschule des Sports in Saarbrücken. „Hier ist es uns im vergangenen Jahr gelungen, dass Taekwondo als Fördersportart aufgenommen wurde. Es gibt insgesamt nur vier Eliteschulen in Deutschland für die optimale Förderung talentierter Taekwondosportler*innen. Wir können somit dem Nachwuchs beste sportliche und schulische Bedingungen für eine duale Karriere in unserer Sportart im Saarland bieten“, ist Müller stolz auf das bisher Erreichte. 

Kaum verwunderlich also, dass die Aufbruchstimmung von Saarbrücken aus weite Kreise zieht und so auch die Unterstützung innerhalb der Deutschen Taekwondo Union vorhanden ist. Was die Zukunftspläne nicht minder ambitioniert macht. Ziel aller Förderer im Saarland ist es, das der Landesstützpunkt mit herausragender Bedeutung im Olympia-Zyklus 2024 bis 2028 als 

Bundesstützpunkt anerkannt werden kann. Die Antragstellung könnte bereits zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen. Die Taekwondo-Union Saar, der Landessportverband für das Saarland, die Eliteschule am Rotenbühl und der Olympiastützpunkt bieten optimale Umfeldbedingungen für die Entwicklung eines neuen Bundesstützpunktes. Bisher gibt es lediglich zwei Bundesstützpunkte im Taekwondo in Deutschland: Düsseldorf und Nürnberg. 

Doch alleine wird Axel Müller trotz seines schier unbremsbaren Engagements und seiner Leidenschaft dies nicht auf Dauer bewerkstelligen können. „Wir müssen neben der Ausstattung der Trainingsstätte mit adäquatem Material auch die personelle Ausrichtung verbessern.“ Der studierte Sportwissenschaftler stemmt derzeit die Trainings- Struktur und Wettkampfarbeit nahezu in einer „One-Man-Show“. „Lediglich zu Wettkämpfen, an denen mehr als zehn meiner Schützlinge teilnehmen, kann ich zwei bis drei Coaches mitnehmen. Schließlich sind wir als Trainer und Coaches an der Matte extrem wichtig für die Sportler*innen. Ich benötige aber auch in der alltäglichen Arbeit ein Trainer-Team, das meine Arbeit unterstützt.“ 

Die Betreuung im Bereich der Physiotherapie und der Laufbahnberatung für Kaderathleten werden vom Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland bereits angeboten. Ziel ist es, dass weitere Bundeskaderathlet*innen am Landesstützpunkt an der Hermann-Neuberger Sportschule und dem Olympiastützpunkt entwickelt werden sollen. Der Aufbau eines eigenen Technik- als auch Diagnostikbereichs am Olympiastützpunkt ist im Entstehungsprozess . 

Die aktuellen Planungsgespräche mit dem Sportdirektor Holger Wunderlich und dem Bundestrainer-Nachwuchs Marco Scheiterbauer der Deutschen Taekwondo- Union am OSP, mit dem neuen LSVS-Vorstand Johannes Kopkow, dem LSVS-Aufsichtsratsmitglied Frank Liedke, dem Präsidenten Hans Eduard Meyer und Vizepräsident Peter Fuhr des Saarländischen Taekwondo-Verbandes und dem OSP-Leiter Steffen Oberst verliefen sehr konstruktiv und zielführend. Das Engagement aller am Projekt beteiligten kann man deutlich spüren. Hier entwickelt sich ein weiterer leistungsstarker Standort für den Taekwondo-Leistungssport (Spitzensport) in Deutschland.

Einen weiterführenden Beitrag zu den Planungsgesprächen finden Sie hier.