Für jede Herausforderung eine Lösung zu finden ist Hauptaufgabe der Laufbahnberaterinnen am OSP Rheinland-Pfalz/Saarland

Von Melanie Kahl-Schmidt

„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht immer eine starke Frau.“ So besagt es ein Sprichwort. Etwas abgewandelt trifft das auch auf die Athleten zu, die über den OSP Rheinland-Pfalz/Saarland im Spitzensport betreut werden: Hinter jedem erfolgreichen Athleten steht eine starke Laufbahnberaterin!

Probleme, dieses Wort mögen Nina Reermann (41), Marlene Wienold (36) und Katharina Jakob (30) eigentlich so gar nicht. „Herausforderung oder Aufgabe trifft es besser“, sind sich alle drei Laufbahnberaterinnen des OSP einig. Und so beschreiben sie ihre Hauptaufgabe auch damit, den Sportlerinnen und Sportlern in so vielen Bereichen wie möglich Hindernisse aus dem Weg zu räumen, damit sich diese bestmöglich darauf konzentrieren können, ihr Training zu absolvieren und sich für Großereignisse auf den Punkt genau in optimale Form zu bringen.

„Manchmal müssen Physiotherapeuten, die für unseren Stützpunkt arbeiten, mit hinzugezogen werden, ein anderes Mal ein Sportpsychologe“, berichtet Reermann und ergänzt: „Manchmal liegen Klausuren an der Uni einfach ungünstig und überschneiden sich mit Europa- oder Weltmeisterschaften. In solchen Situationen kommen wir dann zum Einsatz.“ Die Problemlöserinnen.

Reermann ist die dienstälteste der drei Mitarbeiterinnen, die den Athleten so gut es geht den Rücken frei halten. Seit dem Jahr 2006 ist die studierte Diplom-Sportwissenschaftlerin, die mit ihrem Ehemann drei Kinder hat, in Teilzeit angestellt und hat schon einige Topsportler auf ihrem Weg begleitet. Sie teilt sich eine Vollzeitstelle mit ihrer Kollegin Marlene Wienold am Olympiastützpunkt in Mainz. „Viele betreut man ja bereits ab der Schulzeit. In diesem Stadium geht es erst einmal nur darum, die Eltern zu unterstützen und die Schule mit dem Training und den Wettkämpfen in Einklang zu bringen.“

Alle Athleten in den über den OSP betreuten Sportarten müssen zwingend parallel zum Sport eine berufliche Laufbahn einschlagen, um sich für die Zeit nach der aktiven Karriere ein Standbein zu sichern. „In diesem Bereich werden wir als Laufbahnberaterinnen am meisten benötigt. Schule, später Ausbildung oder Studium neben dem Spitzensport so zu koordinieren, dass Bestleistungen in den Wettkämpfen möglich, aber auch Prüfungen, Abschlussarbeiten oder Studienabschlüsse machbar sind“, erklärt Marlene Wienold, die zuvor im Zentrum für Lehrerbildung an der Gutenberg-Universität in Mainz arbeitete und somit durch ihre guten Kontakte zur Partneruniversität des OSP ein wichtiger Faktor in der Betreuung der studierenden Athleten ist.

Bei ihrer Arbeit gehe es aber nicht darum, wie fälschlicherweise manchmal vermutet, den Sportlern einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. „Es geht um Chancengleichheit. Das ist etwas ganz anderes. Wir nehmen Lehrer, Ausbilder und Professoren mit ins Boot, zeigen ihnen den Tagesablauf des Spitzensportlers auf und sensibilisieren sie für den Trainingsaufwand. Plus erforderliche Physiotherapie und die nötigen Arzttermine, um dann gemeinsam einen Weg zu finden, wie sich die Trainingseinheiten mit den Terminen und Aufgaben an Schule, Ausbildungsort oder Universität unter Einhaltung aller Regeln und Vorschriften mit den Terminkalendern im Spitzensport vereinbaren lassen“, betonen die drei Beraterinnen unisono. „Häufig sind unsere Partner in den verschiedenen Bildungssystemen erst einmal überrascht, wenn wir ihnen in einem persönlichen Gespräch darlegen und erklären, welche Trainingsumfänge unsere Athleten häufig schon in sehr jungen Jahren leisten müssen, um ihren Sport auf diesem Niveau betreiben zu können“, schildert Reermann ein Beispiel ihrer Arbeit.

Das Thema „Netzwerk“ sei dabei eines der wichtigsten im täglichen Arbeitsleben der Laufbahnberaterinnen. „Wir leben von unseren guten Kontakten, die wir uns im Laufe der Zeit aufgebaut haben und die wir natürlich auch pflegen müssen. Es ist immer ein Geben und Nehmen und ich sage ‚meinen‘  Athleten oft, dass sie lieber erst einmal zu mir kommen sollen, wenn es Dinge zu klären gibt, statt alleine vorzupreschen“, erzählt Katharina Jakob. Die studierte Soziologin, die ihre Masterarbeit zum Thema „Lebenswirklichkeiten im Spitzensport“ geschrieben hat, arbeitet am Standort Saarbrücken, ist selbst Leichtathletin und betont, dass die Sportler dennoch unbedingt einen „Lerneffekt“ durch sie vermittelt bekommen müssten: „Ich kann am Ende des Tages dem Sportler nicht alles abnehmen und 24/7 für ihn oder sie da sein. Bestimmte Dinge muss der Athlet oder die Athletin alleine lösen oder in Abstimmung mit dem Trainer. Auch mancher Dozent oder Ausbilder legt Wert darauf, dass sich der Athlet selbst meldet und nicht ich. Hier ist es wichtig, seine Ansprechpartner gut zu kennen und auch das nötige Fingerspitzengefühl als Laufbahnberaterin mitzubringen. Denn nicht selten ist es ein Drahtseilakt zwischen dem, was erwartet wird und der Tatsache, auch eine gute Lösung zu finden“, räumt sie lachend ein.

Neben einem gut ausgebauten Netzwerk und der Fähigkeit, flexibel und querdenkend tagesaktuell nach Lösungen zu suchen, nennen alle drei Laufbahnberaterinnen Empathie als unabdingbare Fähigkeit für die Ausübung ihres Berufes. „Wir arbeiten mit Menschen und begleiten diese in einem von Unwägbarkeiten geprägten Prozess. Ich sehe es so, dass wir ein kleines Mosaikteilchen dazu beisteuern, dass alles so funktioniert, wie sich das der Athlet wünscht. Unser Auftrag ist im Idealfall den Spitzensport, das Erreichen von internationalen Titeln und Medaillen sowie eine klare berufliche Perspektive miteinander in Einklang zu bringen. Wenn man weiß, dass man demjenigen schon als Schüler geholfen hat und am Ende alle Rädchen so ineinander gegriffen haben, dass der Sportler in allen Bereichen seine Ziele erreicht, dann ist das sehr erfüllend“  gewährt Reermann einen Einblick in ihr Seelenleben.

„Wir sind ja eigentlich dann am wichtigsten, wenn es mal nicht rund läuft, oder der Athlet noch keine großen Erfolge gefeiert hat. Wer ganz oben angekommen ist, befindet sich meistens in Förderprogrammen und vieles ist dann ein Selbstläufer. Unsere Arbeit ist bei den meisten in diesem Fall dann schon getan. Aber auf dem Weg dorthin, wenn Verletzungen auftreten oder wenn Fördermaßnahmen eingestellt werden, dann sind wir gefragt. Später zu sehen, dass es trotz allem geschafft wurde, auch wenn es nicht die Top-Medaillen geworden sind, sondern der erfolgreiche Abschluss einer Dualen Karriere, dann ist das das, was unsere Arbeit ausmacht“, bestätigen Wienold und Jakob.

Ein großes Anliegen der drei Beraterinnen ist die einheitliche Gestaltung der Profilquote, die Spitzensportler*innen einen vereinfachten Zugang zu einem Studienplatz an der favorisierten Hochschule bzw. Universität ermöglicht, da lange Pendelstrecken zwischen Trainingsstätte und Studienort langfristig nicht miteinander vereinbar sind. Die Profilquote ist auf Länderebene noch unterschiedlich geregelt ist und beschert somit Sportlerinnen und Sportlern in manchen Bundesländern einen Wettbewerbsnachteil. In Rheinland-Pfalz ist seit letztem Jahr die gesetzliche Basis zur Einführung einer Profilquote geschaffen worden. Jetzt hoffen die beiden rheinland-pfälzischen Laufbahnberaterinnen, dass die Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Profilquote in ihrer Auswahlsatzung mitaufnimmt, um studierfähige und -willige Topathlet*innen im Land zu halten.

„Im Saarland hing die Spitzensportregelung an der Wartesemesterregelung. Diese wurde aber – ohne uns dies mitzuteilen -im November abgeschafft an unserer Partneruniversität in Saarbrücken. Wir haben das nur durch Zufall erfahren und konnten durch unsere guten Kontakte zur Universität schnell auf das Problem aufmerksam machen. Hier hatten Politik und Universität die Spitzensportregelung einfach übersehen“, berichtet Jakob von den Problemen vor Ort.

Gerade der Universitätszugang für Spitzensportler sei schwierig, einfach auch dadurch, „dass es von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedliche Regelungen gibt. Hier sollten unbedingt einheitliche Bedingungen für unsere deutschen Spitzensportler geschaffen werden.“  Auch in diesem Bereich werden alle drei Laufbahnberaterinnen nicht müde, ihr Anliegen in ihrem Netzwerk immer wieder vorzutragen. Nicht umsonst sind sie die starken Frauen hinter den erfolgreichen Athleten. Und freuen sich bei dem Gewinn von Medaillen oder dem Erreichen von Schul- und Berufsabschlüssen immer ein klein wenig so mit, als ob es ihre eigenen wären.